Silent Hill: Shattered Memories im Test
März 25, 2010 von Marty
12:25 veröffentlicht unter Neuigkeiten, playstation portable, Playstation portable, Spieletest

Das Einzige, was zunächst klar erscheint, ist: Harry Mason, dessen Tochter Cheryl und derer beider Autounfall am Rande von Silent Hill. Sobald Harry aus seiner Ohnmacht erwacht, ist Cheryl verschwunden. Was liegt näher, als sie zu suchen? Mit Taschenlampe und Mobiltelefon geht’s raus in die Kälte eines hartnäckigen Schneesturms, der das kleine Städtchen gewaltig im Griff hat. Wie ausgestorben wirken die ersten Meilen, bis ihr endlich eine Menschenseele antrefft; leider nicht Cheryl. Aber die Polizeibeamtin ist nicht nur hilfsbereit, sie ist ein willkommenes Lebenszeichen in dieser hilflosen Lage. Sie geht die Sache von Berufs wegen systematischer an und vermutet Cheryl daheim, nur ein paar Blocks entfernt. Und ja! Ein kurzer Anruf bestätigt diese Annahme, und Harry bittet Cheryl zu verweilen, er mache sich auf den Weg.
Neues Ziel: 1206 Levin Street.
Und dann beginnt plötzlich alles zu kippen. Irgendwie wächst der Eindruck, dass sich Harry nicht mehr wirklich konkret entsinnen kann. Die Welt um dich herum verwandelt sich plötzlich in eine Eislandschaft, und blaues Leuchten weist dir den Weg. Den Weg aus deinem Albtraum, dessen Qualen mittels gesichtsloser, menschenverwandter Wesen verkörpert werden. Diese Belastung sitzt dir im Nacken und verfolgt dich überall hin, bis du aufwachst. Alles, was dir bleibt, ist zu rennen, so schnell du kannst. Die Gesichtslosen leisten ihren Dienst mit hingabevoller Hartnäckigkeit. Und wenn sie dich packen, schüttel sie ab! Mehr ist nicht drin. Immer dein Ziel im Blick. Und als sich herausstellt, wer wirklich in Nummer 1206 wohnt, weiß Harry nicht mehr weiter. Doch weiter geht es allemal …! Soweit die ersten Minuten.
Was ich euch verschwiegen habe ist, dass ihr als erstes folgende Nachricht erhaltet:
“ACHTUNG! Dieses Videospiel erstellt während des Spiels ein psychologisches Profil von Ihnen. Es findet heraus, wer Sie wirklich sind und verwendet diese Informationen dann dazu, sich zu verändern. Es setzt diese Informationen gegen Sie ein – und schafft damit ihren ganz persönlichen Albtraum. Dieses Spiel spielt mit Ihnen genauso wie Sie mit ihm.”

Unter anderen Umständen bestimmt ein schönes Städtchen
Dieser Hinweis unter Berücksichtigung, dass der Beginn mit einer Sitzung beim Psychologen eingeleitet wird. Eure Antworten auf seine Fragen stellen bereits die ersten Weichen für den weiteren Verlauf des Abenteuers. Wer sich bspw. als Womanizer deklariert, trägt ab sofort eine schwarze Lederjacke und blaues Shirt. Langweiler mit dem Hang, Mitmenschen zu ignorieren, tragen hingegen einen Düffelmantel usw. Auch das Erscheinungsbild der Charaktere Silent Hills wird auf euer Profil zugeschnitten; von seriös bis hin zu aufreizend sexy.
Oder die Stadt selbst: Bestimmte Gebäude sind betretbar, in einem weiteren Durchlauf sind sie plötzlich verschlossen, aber andere Türen öffnen sich. Bis hin zu den grauenhaften Monstern, deren Erscheinungsbild ebenfalls multipel ist. Im Folgenden werdet ihr euch immer wieder den Fragen des Doktors stellen müssen und beeinflusst zunehmend auch das variable Ende.
Daraus wird klar: Zum einen liegt die eigentliche Geschichte zwar in der Vergangenheit, zum anderen wird sie, abhängig wie ihr mit dem Psychologen interagiert, neu geschrieben. Das klingt nicht nur toll, ist es auch. Daraus ergibt sich nämlich ein nichtlinearer Spielverlauf, der, je nach Spielerprofil, erheblich variieren kann. Richtig, auch der Wiederspielwert steigt damit gehörig.

Hey Officer, can YOU help me ?
Als Remake des ersten Teils der Survival-Horror-Videospielreihe will man im Hause Konami Silent Hill Shattered Memories (im Folgenden nur noch SHSM genannt) nicht bezeichnet wissen; vielmehr als Neuinterpretation. Dem Kenner werden neben dem gemeinsamen Anfang auch noch weitere, mehr oder minder deutliche Gemeinsamkeiten auffallen, die aufgrund eines absolut differierenden Gesamtbildes jedoch kein „kenn ich schon“ zulassen.
Interessant im Zusammenhang mit der Tradition der Silent Hill-Reihe ist, dass Climax komplett auf ein Kampfsystem verzichtet hat. Es gibt weder Waffen noch gibt es eine physische Bedrohung in der realen Welt, die ein solches notwendig machen würde. Einzig die Albtraumszenen warten mit einer scheinbar körperlichen Gewalt auf. Dieser kann man sich mithilfe eines gezielten Knopfdrucks entledigen. Seid ihr nicht in der Lage, die „Wesen der Nacht“ abzuschütteln, ringen sie euch nieder, und ihr beginnt am letzten Checkpoint.
SHSM lässt sich zum besseren Verständnis in drei verschiedene Szenarien aufteilen:
Beim Psychologen befindet ihr euch im Zwiegespräch und beantwortet dessen Fragen bzw. löst kleine Aufgaben, welche er im Zusammenhang mit der Lösung eurer „Psychose“ vorbereitet hat. Darunter befindet sich bspw. die klassiche Klärung einer Schuldfrage, das Ausmalen eines Bildes oder die Zusammenstellung eures perfekten Studientages. Wie oben beschrieben, dienen diese Auskünfte zur Personalisierung des Spielverlaufs.

RUN RUN RUN !!!
In Silent Hill seid ihr auf der Suche nach Cheryl. Immer wieder erhaltet ihr neue Zielvorgaben, die es zu erreichen gilt. Aufgrund des anhaltenden Schneesturms ist euch oftmals der direkte Weg durch Verwehungen versperrt. Ausgerüstet mit Taschenlampe und Mobiltelefon bewegt ihr euch in einem umfangreichen, detailliert gestalteten Umfeld; teils im Freien, teils innerhalb diverser Gebäude. In klassischer Silent Hill-Manier gilt es zahlreiche Rätsel zu lösen, um verschlossene Türen zu öffnen. Dabei spielt euer Telefon eine zentrale Rolle. Die Telefonnummern, die ihr auf Plakaten, Notizen oder an Wände gekritzelt findet, sind nicht nur alle auch anrufbar, sondern oftmals auch Teil der Puzzles. Geisterhafte Erscheinungen gilt es mit der Kamera festzuhalten, dann erscheinen sie auf dem Foto in ihrer realen Form und liefern euch Erkenntnisse über die Vergangenheit des Ortes. Auch erhaltet ihr in Abständen Nachrichten auf euer Telefon, die euch ebenfalls Geschehenes dokumentieren. Des Weiteren gibt es eine Menge Gegenstände einzusammeln, welche zwar nicht mehr als Erinnerungsstücke sind, aber eine willkommene Abwechslung in dieser Einöde darstellen. Die Charaktere, denen ihr auf eurem Weg begegnet, sind sehr schön modelliert und animiert, klasse vertont und mit toller Mimik.
Gesprochen wird englisch mit der Option deutscher Untertitel.
Schön auch, dass ihr während diverser Dialoge mit eurer Umgebung interagieren könnt. Werdet ihr bspw. in einem Fahrzeug mitgenommen, könnt ihr im Handschuhfach krämern, die Seitenscheibe öffnen usw. So werden scheinbare Sequenzen zu Gameplay-Situationen.

OH OH
Die Albträume lassen in euch massiv die Sehnsucht nach der verhältnismäßig „entspannten Suche“ Cheryls aufkommen. Wenn sich die Welt um euch in Eis verwandelt, heißt es rennen; und zwar zum nächsten Zielpunkt. Über Stock und Stein, über Mauern, Zäune und Gräben, durch Türen und Tore; Hauptsache in Bewegung bleiben! Ein Störungsgeräusch vermittelt euch, wie nah die Gestalten schon sind. Diesen könnt ihr während eurer Flucht so manchen Einrichtungsgegenstand in den Weg werfen. Manchmal findet ihr auch eine Leuchtfackel, die sie zwingt, Abstand zu halten. Werdet ihr ergriffen, schüttelt sie ab! Ihr könnt zwar mittels eures Mobiltelefons die GPS-Funktion nutzen, um euch zu orientieren, dennoch werdet ihr gnadenlos heimgesucht. Daher ist es wichtig, die wenigen Versteckmöglichkeiten zu nutzen, um sich eine kleine Ruhephase zu verschaffen. Hier ist jedoch darauf zu achten, dass ihr, während ihr euch versteckt, außer Sichtweite seid, sonst wird die Schranktür schnell wieder aufgerissen. Klar kennt jeder den Pause-Modus, in dem man in Ruhe die Karte studieren kann, um zu sehen, wo es langgeht. Doch diesem klassischen Ansatz widersetzt sich SHSM komplett. Dadurch entsteht genau das, was diesem Spiel eine wichtige und vor allem traditionelle Stütze verleiht: Horror in ergreifender Form.
Diese drei Szenarien wechseln in unregelmäßigen Abständen. So seid ihr z.B. gerade im Silent Hill Naturschutzgebiet unterwegs und landet im nächsten Augenblick beim Doc. Für alles andere gibt’s keine Erklärung. Am Ende werdet ihr staunen; so oder so.
Mein Fazit: Für mich gibt es weder gewagt noch ,nicht gekonnt‘. Wenn’s begeistert, ist mir alles recht, und SHSM gefällt mir außerordentlich gut; ein Spiel, wo man sich reinversetzt, ja reinversetzen muss. Wem das nicht gelingt, der wird mit Langeweile rechnen müssen. Das Durchstreifen der Stadt auf der Suche nach Cheryl ist eher was für Entdecker und Neugierige. Vor allem, weil ihr euch hier keinerlei Gefahren ausgesetzt seht. Hier kann man durchaus Berechenbarkeit vorwerfen. SHSM baut auf Menschen und deren Geschichten auf. Auch wenn ihr hier oftmals ein wenig verzweifelt daran scheitern werdet, nachvollziehen zu wollen, was wie zusammenhängt – zweifelsohne ein gewünschter Effekt.
Atmosphäre ist ebenfalls ein Schlüsselwort. Herrliches Schneetreiben, ein düsterer Ort, merkwürdige Vorkommnisse, eine Handvoll interessanter Charaktere und eine Menge Vergangenheitsbewältigung. Beleuchtet mit der Taschenlampe, werfen die angestrahlten Objekte skurrile Schatten und sorgen für gespenstische Stimmung. Dazu die glänzende Soundkulisse, welche Musik genauso wie Geräusche betrifft. Wirklich beeindruckend.
Komplett gestreamt spart man sich zwar lange Ladezeiten, kommt aber um gelegentliche Hänger nicht herum. Auch machen viele Monster zeitgleich der Framerate zu schaffen.
Ob 5-6 Stunden Spielzeit zu wenig sind sei dahingestellt. Wer etwas mehr erleben will lässt sich mehr Zeit und wird dafür mit allerlei Sehenswerten belohnt.
Alles in allem weiß dieser Teil zwar auf andere, aber dennoch Silent Hill-typische Weise zu begeistern – als Nachfolger wie auch als Interpretation des Debütanten.

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Auf der Wii finde ich es fantastsich. Coole Grafik, sehr gute grusel Atmo und insgesamt einfach stimmg. Gefällt mir besser als der vorletzte Teil!