Prince of Persia – The Forgotten Sands: ein verdursteter Prinz?
Juni 4, 2010 von Fatty
13:46 veröffentlicht unter Neuigkeiten, Spieletest, Xbox 360, Xbox 360

Der Prince of Persia ist zurück und das nicht nur auf der großen Leinwand, sondern auch auf den heimischen Konsolen. Gewiss ist, dass es sich nicht um ein Spiel zum Film handelt. Prince of Persia: The forgotten Sands oder zu Deutsch Die vergessene Zeit kommt mit eigener Story um die Ecke und spielt zwischen Sands of Time aus 2003 und Warrior Within (2004). Ubisoft versprach im Vorfeld völlig neue Gameplay-Innovationen. Was aus dem Versprechen geworden ist, zeigt der Test.
Die Story
Der Palast von Malik, der Bruder des namenlosen Prinzen, wird angegriffen, und es sieht nicht wirklich gut für ihn aus. Um die Schlacht noch gewinnen zu können, sieht sich Malik gezwungen, mit Hilfe eines Amuletts eine Sandarmee zu beschwören. Aber das geht gründlich schief: Die Armee wendet sich gegen ihren Beschwörer und greift die Bevölkerung an. Zu allem Überfluss entzweit auch noch das Amulett. Brüderlich geteilt, behält der Prinz eine Hälfte und sein Bruder die andere. Um das Chaos zu beenden, muss das Amulett wieder zusammengefügt werden – und das schnell, denn ein infernalischer Sandsturm droht, den Palast unter sich zu begraben. Also macht sich der Prinz auf den Weg durch den riesigen Palast, um Malik zu finden und das Amulett wieder zusammenzufügen.
Völlig neue Gameplay- Innovationen ?
Und auf geht’s! In guter alter Prince of Persia Manier heißt es Klettern, was das Zeug hält. Zu Hilfe kommt euch neben der Macht über die Zeit, welche das zurückspulen ermöglicht, die Möglichkeit, aus flüssiger Materie feste zu machen. Damit könnt ihr das Wasser, welches überall im Palast aus Wasserspeiern schießt, für ein paar Sekunden gefrieren lassen und somit den Strahl in eine Stange verwandeln, um den nächsten Abschnitt zu erklimmen. Unter diesem Zeitdruck Kletterpassagen zu bewältigen, sorgt ab und an sogar für richtig Spannung im Handling des Akteurs. Außerdem hat unser persischer Schönling Macht über die Elemente, welche im Kampf helfen sollen – aber dazu später mehr.
Zauber des Orients… wo bist du?
In den 8-10 Stunden, die das Spiel dauert, befindet ihr euch fast ausschließlich in Maliks Palast. Leider wurde nach ein paar glanzvoll gemeisterten Abschnitten schnell klar, dass das Leveldesign wenig ausgefuchst und leicht schnöde daherkommt. Die einzelnen Räume unterscheiden sich lediglich in Licht- und Farbspiel und bieten dem verwöhnten Auge eine zwar atmosphärische, aber immer wiederkehrende Kulisse ohne den nötigen WOW-Effekt. Hier fehlte mir der bereits in der Überschrift erwähnte „Zauber des Orients“ in seiner märchenhaften Vielfalt. Mehr Enthusiasmus bitte, Ubisoft Montreal! Wer Abwechslung sucht, wird mit dem neuesten Prinzen leider nicht fündig; denn auch die Kletterabschnitte ähneln sich wie eh und je und bieten vor allem anspruchsvolleren Spielern kaum Potential zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Ähnlich simpel gestrickt finden sich in den Hallen des Palastes reichlich Fallen wieder, die ihr mit einem müden Lächeln ratzfatz überwindet. Auch zum Ende hin bleibt der Schwierigkeitsgrad der zu meisternden Passagen auf unterstem Niveau, und schnell fragt man sich: „Was soll da noch kommen?“ Genau diese Frage zieht sich bis zum Abspann durch das gesamte Abenteuer. Da tröstet es wenig, dass es in der letzten halben Stunde tatsächlich noch einmal interessant wird. Eine schwierige Kletterpartie, spannendere Kämpfe, ein Flug im Auge des Sandsturms und der Endgegner – das war‘s dann…
Hätten die Entwickler diesen Hebel bereits früher gezogen, hätte der Prinz durchaus punkten können. Mit ein paar optisch aufwendig in Szene gesetzten Rätseln, welche man an einer Hand abzählen kann, hat Ubisoft versucht, noch etwas Würze in das Abenteuer zu packen. Leider sind diese so simpel, dass sie einen eher faden Beigeschmack hinterlassen und in Frage stellen, ob wir diesen Prinzen vielleicht lieber in der Wüste verdursten lassen? Und das größte Rätsel dabei ist, wie man so laienhafte und emotionslose Synchronstimmen verwenden konnte, nachdem man schon zuvor bei Warrior Within mit Größen wie David Nathan zusammenarbeitete, der unter anderem auch Johnny Depp seine Stimme lieh. Denn im neuesten Abenteuer hat vor allem unser Hauptakteur eine 0815 Strauchdiebstimme verliehen bekommen, die in keinster Weise überzeugen kann und keinen Helden rechtfertigt. Ein gelungener Soundtrack rundet zumindest das Klangbild der überwiegend durchschnittlichen, deutschen Stimmen wieder etwas ab. Im Englischen hört sich unser Held wesentlich prinzenhafter an. Bitte ausprobieren!
Langsamste Gegner, wo gibt!!!
Natürlich kommt neben dem Hüpfen und Klettern auch das Kämpfen nicht zu kurz! So hetzt Oberbösling Ratash seine zahlreichen Sandskelette auf euch, was leider überwiegend für Langeweile sorgt. Gekämpft wird nicht selten gegen 50 Gegner mit nur einem Knopf ohne Combos, Quicktime-Events oder besonderen Finishing-Moves. Treten und Rollen könnt ihr auch noch, dies ist aber in Anbetracht dessen, dass die Sandmännchen ungefähr 3-4 Sekunden brauchen, um einen Schlag vorzubereiten, keine wirklich sinnvolle Methode. Genauso verhält es sich mit der vorhin angesprochenen Macht über die Elemente. Zum Beispiel könnt ihr mit der Kraft des Feuers eine flammende Spur legen, was jedoch die Kämpfe noch kürzer und sinnloser erscheinen lässt. Getoppt wird dies auch noch von einem übermächtigen Schwert, welches ihr im Laufe des Spiels erbeutet. Dieses hat nämlich so viel Wums hinter der Klinge, dass ihr fast jeden Gegner mit nur einem Schlag dem Erdboden gleichmacht. Somit blieb mir der Exitus durch Ratashs Sandarmee im kompletten Abenteuer erspart! Dies ist keine Lüge!!!
Fazit
Ubisoft hat es mal wieder nicht geschafft, einen überzeugenden Prinzen zu liefern. Die erste Stunde macht noch Spaß, die letzte halbe auch wieder, alles andere dazwischen ist langweilig und lässt einen hoffen, dass es bald vorbei ist. The forgotten Sands ist kein Spiel zum Film, vielmehr wirkt es wie ein Spiel für den Film; denn schließlich will jeder ein Stück vom Kuchen des Erfolges abhaben. Nicht nur die Story wirkt halbherzig inszeniert, auch Kämpfe, Leveldesign sowie das Gameplay reißten heutzutage niemanden mehr vom Zocker-Hocker. Den Zauber des Orients werdet ihr mit Ubisoft Montreals neuestem Streich leider nicht finden, auch wenn der Prinz durchaus repräsentativ daherkommt. Wer aber auf die klassischen Elemente des Prinzen steht und ein Fan der Serie ist, wird vielleicht nicht in der Wüste verdursten wie ich und mein Prinz.

ältere Beiträge:





Bin auch etwas enttäuscht
aber Jungs, zockts mal auf der Wii da ist es echt der Hammer
Laut euerer Wertung ist es wohl eher nich so gut dabei hatte ich mir viel erhofft. Bin großer Fan der Serie. Werds mal kaufen wenn es billiger ist.