Dienstag, 22. Mai 2012

Lost Planet 2 – Auf E.D.N. III nichts Neues?

Juni 4, 2010 von Johannes  
10:28 veröffentlicht unter Neuigkeiten, Playstation 3, Playstation 3, Spieletest, Xbox 360, Xbox 360

Auf  E.D.N. III nichts Neues?

Weit gefehlt! Das am Ende des ersten Teils gestartete Terraforming hat in den letzten 10 Jahren so einiges am Erscheinungsbild des Planeten geändert. Da, wo früher noch trostlose Eiswüsten waren, gibt es heute grüne Höllen und Sandwüsten. Doch reicht das schon, um sich „Teil 2“ zu nennen, oder erwartet uns hier einfach nur ein schnöder Aufguss?

brachiale Kämpfe mit Mechs

Schlau erzählt?
Piraten, die in mehrere Fraktionen zerschlagen sind, eine skrupellose Firma und Aussichten, die Geschichte aus eben diesen verschiedenen Blickwinkeln zu sehen. Klingt schon ganz gut, und wenn ich euch jetzt noch erzähle, dass ihr nicht nur zu Fuß unterwegs sein werdet, sondern auch den ein oder anderen Mech steuern könnt, müsste spätestens jetzt dem gemeinen Actionfan der Zahn tropfen. Ach, wie schön hätte das alles werden können, doch fange ich lieber von vorne an: Diejenigen unter euch, die den ersten Teil nicht kennen, werden mit vielen Elementen der Story so ihre Probleme haben, denn es wird eine Menge Vorwissen vorausgesetzt. Leider heißt das aber nicht, dass der Kenner mehr Spaß an der Geschichte haben wird, denn diese kommt nicht einmal annähernd an die des Vorgängers heran. Dank der Erwärmung des Planeten ist aus einem vormals großen Schneeball eine vermeintlich freundliche, zweite Erde mit dazugehörigen Klimazonen geworden, wären da nicht immer noch die heimlichen Stars der Geschichte: die Akrid. Insektenartige Monster, die die Größe eines Berges annehmen können und seit der Erwärmung noch einiges an Variationen zugelegt haben. Der Grund für die Kämpfe auf E.D.N. III geht aber nicht von den Akrid aus, sondern vom Geld oder besser dem Kampf um die Ressourcen. So weit, so einfallslos. Gut verpackt könnte dieser Kampf dennoch fesselnd erzählt werden; vor allem mit den versprochenen, verschiedenen Blickwinkeln und der Tatsache, dass ihr nie alleine, sondern immer in einem Viererteam unterwegs sein werdet. Doch da kommt auch schon einer der Knackpunkte von Lost Planet 2 ins Spiel: Ihr werdet euch weder mit euren Teamkammeraden anfreunden noch traurig über deren virtuellen Tod sein, denn Gespräche wie z.B. in Bad Company finden gar nicht statt. Eure Kollegen verrichten das ganze Spiel über kommentarlos ihren Dienst, wodurch eine Identifizierung mit den einzelnen, gesichtslosen Charakteren unmöglich ist. Auch die versprochenen, verschiedenen Blickwinkel sind eher ein Witz, denn mal vom Design der Einheiten abgesehen, verändert sich überhaupt nichts an der Spielweise oder dem Spielgefühl.

Was gibt es an der Front der Erzählweise zu berichten? Zwar gibt es zu Anfang einen gut inszenierten Vorspann, der auch im weiteren Spielverlauf von einigen, gut gemachten Zwischensequenzen begleitet wird, doch täuscht dies nur über die Einfallslosigkeit der Schreiberlinge hinweg – noch nicht einmal ein Wiedersehen mit dem Helden Wayne aus Teil 1 wird es geben. Die schönen, filmartigen Zwischensequenzen können nämlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte von Lost Planet 2 einfach nur eine zwölfstündige Aneinanderreihung verschiedener Episoden ist, in der es immer nur heißt, Datenstationen zu aktivieren und sich zum Finale durchzuschießen. Ob es nun stört, durch eine, mal von den Zwischensequenzen abgesehen, schlecht präsentierte Story mit KI-Kollegen ohne Verstand durch Schnee und Gestrüpp zu flitzten, könnte man eigentlich mit einem Nein beantworten. Doch da der erste Teil mit einer guten Geschichte, die auch weiter erzählt werden möchte, vorgelegt hat, wird aus dem Nein im besten Falle ein Jein.

Holzen was das Zeug hält

Wie fühlt es sich an?
Lost Planet 2 ist ein actiongeladener 3rd-Person-Shooter, der eigentlich seiner Zunft alle Ehre machen könnte und gute Aussichten hatte, das Genre anführen zu können, wären da nicht diese unnötigen Macken. Der Steuerung, eigentlich genretypisch intuitiv, bedarf es an einiger Eingewöhnungszeit, um mit ihrer hakeligen und ungenauen Schattenseite zurechtzukommen. Der Spielfluss, eigentlich herrlich arcadelastig,  möchte irgendwie nie so richtig in Fahrt kommen; denn es läuft alles so verdammt langsam. Selbst der Sprint eures Protagonisten fühlt sich irgendwie wie in Zeitlupe an, vom langatmigen Nachladen mal ganz zu schweigen. Warum sich Capcom gerade hier einen solchen Fauxpas leistet, ist mir schleierhaft.  Wer aber der Steuerung eine zweite Chance gibt, wird sich auch an diese Eigenwilligkeit gewöhnen.  Leider kann man das von der K.I. der Kollegen nicht behaupten. Paradebeispiel für deren taktisches Verständnis ist dieses hier: Wir müssen eine größere Stellung mit leicht einzusehenden Zugängen halten, und das geht, wie der versierte Stratege weiß, am besten, indem sich jeder vor einen Eingang postiert und alles niederschießt, was versucht, hindurchzukommen – hat ja auch bei den 300 Spartanern ganz gut geklappt. Anscheinend hat aber mein Team diesen Film nicht gesehen. Denn statt die Stellung zu halten, rennen sie sinnlos durch die Gegend, lassen das ganze Grabbelgetier hinein und somit das Leben aus uns heraus, und weil ich das schon zum gefühlten hundertsten Mal erlebe, geht es meinem Pad dabei ähnlich. Doch irgendwie ist das auch gerecht, denn die Bugs, wie sie in Starship Troopers heißen, stehen mit ihrer Einfältigkeit der unseren in nichts nach. Zum Beweis hier eine meiner Lieblingsstrategien: Wenn ein zu groß geratener Akrid, wie sie hier auf E.D.N. III heißen, nach meinem Leben trachtet, bringe ich einfach ein Hindernis wie z.B. einen Baum zwischen uns beide, da die K.I. damit nicht klarkommt, versucht er erfolglos, durch diesen hindurchzulaufen, während ich ihn in aller Ruhe plätten kann. Klar klappt das nicht immer, vor allem weil ich es meist mit mehr als nur einem Gegner zu tun habe. Doch allein die Tatsache, dass es geht, sorgt gerade in der heutigen Zeit für satte Minuspunkte.

schicke Optik, leider reicht das nicht aus...

Vital Suits
Diese schicken Dinger sind eher unter dem Namen Mech bekannt und heben auch im zweiten Teil den Spielspaß und die Abwechslung um einiges an. Hier kann ich endlich wieder mit Lust in die Tasten hauen, denn Capcom hat sich bei deren Design nicht lumpen lassen. Die verschiedenen Mechs spielen sich sogar so unterschiedlich, dass es innerhalb des Games extra Anleitungen zu deren Fähigkeiten gibt. Das ist auch gut so, denn es gibt einfache Zweibeiner, agile Gleitanzüge mit einem herrlich schnellen Boost, starke Kampf-Roboter mit Schub- und Schwebefunktion und meinen Liebling: der Hubschrauber-Mech, mit dem es möglich ist, euren Gegnern noch aus großer Entfernung eins überzubraten. Natürlich könnt ihr auch wieder verschiedene Waffen wie Gattling-Gun, Laser und Co. an eure Lieblinge montieren oder abbauen und selber von Hand benutzen – ein cooles Gefühl mit einer Pump-Gun herumzulaufen, die größer ist als man selbst. Im Mehrspieler können sich dann sogar gleich vier Leute auf einmal mit einem Mech vergnügen; einer steuert, zwei sitzen an den Geschützen und der vierte hält sich lässig an der Seite fest – einfach cool! Klar hätte man allgemein noch ein paar mehr neue Waffen erfinden können, dafür gibt es aber ein Energieschild, welches neue Möglichkeiten, vor allem im Team, eröffnet; hier vermisse ich nichts.

Speichern für Hartgesottene
Weil die Episoden in drei Kapitel unterteilt sind, die wiederum aus mehreren Missionszielen bestehen, ist ein funktionierendes Speichersystem unabdingbar. Leider scheinen das die Entwickler nicht bedacht zu haben. Zwar gibt es in jedem Kapitel eine Menge Checkpoints in Form von Datenstationen, doch bringen diese einem wenig, wenn keine Punkte mehr zur Wiederherstellung übrig sind oder die Mission gescheitert ist. Denn dann zeigt sich eine Bestrafung, die auch der schlechteste Spieler nicht verdient hat; ihr dürft das gesamte Kapitel wieder von vorne starten. Das kann vor allem dann für knirschende Zähne sorgen, wenn das Spiel beim Endboss zu Ende ist und man sich erneut durch das gesamte Kapitel, was im schlimmsten Fall 40 Minuten dauern kann, schießen darf. Ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere cholerisch Veranlagte wegen dieses Speichersystems nie den Abspann sehen (wollen) wird.

der Multiplayer macht richtig Laune

Eine Rettung in Sicht?
Das klingt jetzt alles so, als hätte ich es nicht genossen, dieses Game zu testen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn auf der anderen Seite macht es natürlich einen Riesen-Spaß, strategisch unterstützt von ein paar echten Freunden im Koop, durch die sechs Episoden zu ballern. Auch ist es vergnüglich, sich mit bis zu 15 Leuten beim klassischen Deathmatch, Team-Deathmatch oder Halten einer Stellung (Battlefield lässt grüßen) die Zeit zu vertun. Und das geht wirklich gut, denn dank des motivierenden Belohnungssystems kann man hier eine Menge Zeit investieren. Es gilt, Erfahrungspunkte und sonderbare Gegenstände zu sammeln, um mit deren Hilfe seinen Charakter mit Gesten, Spitznamen, Fähigkeiten, Waffen, Körperteilen usw. nach Belieben zu gestalten. Ein schönes Easter Egg ist, dass ihr hier auch einige, aus anderen Spielen bekannte Charaktere freischalten könnt ;-)

Auch die Grafikengine weiß mich freundlich zu stimmen, denn an ihr kann sich selbst das verwöhnteste Spielerauge noch erfreuen, ist es doch die überarbeitete Version von jener, die schon Resident Evil 5 angetrieben hatte. Hier kann sich E.D.N III auf jeden Fall mit zu den Top-Planeten zählen. Die Akrid sehen einfach fantastisch eklig aus, und wer sich einmal von einem Riesen-Wurm hat verschlucken lassen, um sich durch seine Eingeweide zu schießen, wird selbst beim Anblick eines Riesen-Herzes eher „Sieht das gut aus!“ als „Ihhhh, tu das weg!“ rufen. Aber auch die schönste Grafik kann stören, wenn sie einem andauernd im Weg ist. Vor allem in den schicken Dschungelgebieten ist euer größter Feind nicht etwa euer dummes Team oder der nächste fiese Käfer, sondern die Kamera, die sich wieder einmal so perfekt hinter einem Busch versteckt hat, dass ihr erst Grün und dann Tod seht.

Weitere Pluspunkte gehen auf das Konto der Musik und Soundeffekte, die herrlich martialisch daherkommen. Wer von euch Fan von japanischen Spielmusiken ist, wird erst recht seine wahre Freude an dem Soundtrack, der sich perfekt in das Spieldesign einfügt, haben.

Fazit
Eine schicke Grafik, Monster, die zu den größten der Spielegeschichte zählen dürften, viel Spaß im Online-Modus und Riesen-Wummen. Eigentlich sind das alles Zutaten für einen großen Erfolg. Doch schaffen diese es nicht, ihr volles Potential zu entfalten, weswegen sich Lost Planet 2 leider nicht die „2“ verdient hat; denn es fühlt sich eher wie ein Lost Planet Online an. Was auch eine bessere Idee gewesen wäre, denn so hätte es keine enttäuschten Gesichter wegen der fehlenden Story und der miesen K.I. der Kollegen gegeben, sind doch diese in Online-Games eh meist nur besseres Kanonenfutter.

Nichtsdestotrotz ist Lost Planet 2 schon allein wegen seiner monströsen Bosskämpfe, des unterhaltsamen Online-Modus und der Shooter-Erfahrung, die eines Serious Sam würdig ist, sein Geld wert.

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Kommentare zu diesem Thema

One Response to “Lost Planet 2 – Auf E.D.N. III nichts Neues?”
  1. Der Blob sagt:

    Naja für zwischendurch macht es schon spass. ich hätte mir aber echt mehr von dem game erwartet…

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