James Camerons Avatar: Das Spiel im Test
Dezember 17, 2009 von Johannes
22:14 veröffentlicht unter PC, Spieletest

Wieder einmal ein Spiel zu einem Film. „Oh nein“, wird wohl jetzt der Ein oder Andere denken, hat man doch bei solchen Projekten (bis auf wenige Ausnahmen) eher schlechte Erfahrungen machen können. Nun gut, ich schlucke meine Vorurteile herunter und mache mich auf, für Euch den gefährlichen Dschungel Pandoras zu erkunden.
Informatives im Hintergrund
Auf Pandora angekommen, fällt mir gleich im positiven Sinne auf, dass man sich wahrscheinlich von „Metroid Prime“ etwas hat beeinflussen lassen. So gibt es nämlich eine Datenbank, in der allerlei interessante Informationen über Flora, Fauna, Waffen, Parteien und vieles mehr nachzulesen steht. Und damit nicht genug. Ihr könnt diese Datenbank noch mit neuen Scans – ähh – Entdeckungen erweitern. Hier gefällt mir sehr gut, dass sich alles von vorn bis hinten sehr plausibel liest, und man das Gefühl hat, dass sich hier zum Teil wirklich Informationen von Leuten eingeholt wurden, die sich damit auskennen. So könnt Ihr unter anderem nachlesen, wo genau, in welchem Sternbild und in wie viel Lichtjahren Entfernung die Sonne von Pandora ist, und wie man (also die Menschen) darauf gekommen ist, dass hier mehr zu finden ist, als nur ein weiterer einsamer Stern.
Als zusätzliches Schmankerl gibt es noch ein Audiotagebuch. Wer also lange nicht mehr gespielt hat, muss sich nicht wie sonst durch lange Texte kämpfen, um wieder auf dem Laufenden zu sein.
Feuer Frei!
Wer oder was willst du sein?
Zu Anfang werdet Ihr vor die Wahl gestellt, welches Aussehen und welches Geschlecht Euer Charakter haben soll. Das läuft aber eher unspektakulär ab, denn hier kann man nur zwischen verschiedenen Fotos wählen, die das Gesicht der humanoiden Erscheinung und im Hintergrund die des Avatars zeigen. Doch auf das eigentliche Spiel hat diese Wahl eher keine Auswirkungen. Nach den ersten, noch recht einfachen Missionen auf Seiten der Menschen werdet ihr innerhalb einer Schlüsselsequenz wieder vor eine Entscheidung gestellt, die dann aber doch weitgreifende Folgen nach sich ziehen wird. Nämlich, auf wessen Seite Ihr kämpfen wollt. Entweder die der menschlichen Besatzer oder aber die der eingeborenen Na`vi.
Blau oder Orange?
Wie schon erwähnt, müsst Ihr euch schon sehr bald entscheiden, in wessen Haut Ihr schlüpfen wollt. Als Marine hat mir sehr gut gefallen, dass man bei einem Sieg immer den fahlen Beigeschmack hat, hier gerade ein Naturvolk mit seiner Flora und Fauna für den schnöden Profit ausgeräuchert zu haben. Als Na’vi macht allein schon der hinterhältige Gedanke Spaß. Denn rein technisch gesehen, hat man natürlich gegen die Menschen keine Chance. Mit Automatikwaffen und derlei Hightech-Gedöns hat das Naturvolk nur wenig am Hut. Dafür ist man aber, dank Axt, Messer und Co., im Nahkampf unschlagbar, und für die Ferne tut’s zur Not auch Pfeil und Bogen nebst Armbrust. Das klingt erstmal nach einer gehörigen Portion Abwechslung, was es auch zu Anfang ist. Doch leider hat es sich hier wie mit Altair (Assassins Creed 1) in seinem ersten Ausflug. Die Aufgaben wiederholen sich einfach viel zu oft. Als Na’vi müsst Ihr ständig Dinge kaputt machen und als Mensch diese wieder reparieren bzw. bewachen. Hier wäre auf jeden Fall einiges mehr drin gewesen. Warum kann ich zum Beispiel nicht als Na’vi mehr mit meiner Umwelt agieren? Als Blauer ist man viel größer und auch schneller als ein Mensch. Da hätten doch Überfälle aus den Bäumen viel besser in Szene gesetzt werden können. Auch vermisse ich die Fähigkeit, direkt an den großen Pflanzen hochklettern zu können.
Die Fortbewegungsmittel passen da schon eher zu der jeweiligen Art. Während die Menschen mit Buggy, Mech und Co. durch den Urwald heizen, ist das Volk der Na’vi auf Pferden und Flugechsen unterwegs. Doch auch hier habe ich (leider) zu mäkeln. Denn weder kann man mit dem Buggy oder dem Pferd Gegner platt machen noch vom Vehikel aus die Feinde aufs Korn nehmen. Dabei kann doch sogar Nintendos Link vom Pferd aus perfekt mit Pfeil und Bogen umgehen.
ein blühender Mond!
Wie sieht’s aus?
Der Mond ist mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet, es bewegt sich jeder Grashalm, Bäume schwanken im Wind und manche Pflanzen zucken bedrohlich, wenn Ihr ihnen zu nahe kommt. Selbst die fliegenden Felsen wirken mit ihren Überwucherungen und Schlingpflanzen sehr gut und nicht übertrieben in Szene gesetzt. Spiegelungen im Wasser und die Sonnenstrahlen zwischen den Wipfeln der Bäume tragen zu einem guten Urwaldfeeling bei. Die grafische Gestaltung kann sich auf jeden Fall sehen lassen und überzeugt bis auf ein paar aufpoppende Umgebungsdetails auf der ganzen Linie. Einzig bei den Animationen der Charaktere ist man nicht ganz auf der Höhe der Zeit, denn diese wirken manchmal etwas zu hölzern. Da die grafische Ausmalung eben nur ein, wenn auch großer, Teil eines Spieles ist, möchte ich mich hier nicht zu sehr blenden lassen. Doch wartet… sieht das schön aus…
Everybody’s Darling?
„James Camerons Avatar: Das Spiel“ will ja eine Mischung aus Rollen-, Sci-Fi-, Action- und ein wenig rundenbasiertes Strategiespiel sein. Hätte man hier etwas weniger gewollt und sich nur auf ein paar Aspekte konzentriert, wäre bestimmt ein sehr gutes Spiel für die jeweiligen Genres entstanden. Doch fehlt mir hier aus Sicht des Rollenspielers einfach die Interaktion mit den NPC’s, denn diese sprechen nur mit mir, wenn sie eine Aufgabe für mich haben und geben sonst nur eine Beschwerde wegen Anrempelns von sich. Natürlich kann man Erfahrungspunkte einsammeln und dafür besondere Fähigkeiten oder Waffen freischalten, doch fehlt leider auch hier der gewisse Pepp, den der Zauber bzw. die Technik ausstrahlen könnten. Aus Sicht des Actionspielers kann ich mich auf keinen Fall über Langeweile oder zu wenig zu tun beschweren, doch finde ich, dass das Schussgefühl nicht richtig rüberkommt, und die Waffen sich zu gleich anfühlen. Dafür ist der Sci-Fi-Fan in mir zufrieden und erfreut sich an den gut durchdachten, technischen Errungenschaften und an der mal mehr, mal weniger gut erzählten Geschichte.
Ach ja, da war ja noch die Strategie. Im guten alten Risikostil oder wie auch zum Beispiel in „Command and Conquer: Tiberium Wars“ werden Eroberungskämpfe, die sich auf den ganzen Mond erstrecken, ausgefochten; wobei die eigene Armee mit gesammelten Erfahrungspunkten finanziert wird. Obendrein ist es durch diesen Modus sogar möglich, sich Verbesserungen für das eigentliche Spiel zu verdienen. Doch hätte dieser Zusatz als alleiniges Extra besser aussehen können, denn besagte Verbesserungen sind eben nur für das eigentliche Spiel und nicht für die eigene Armee möglich, weswegen der strategische Part mit der Zeit etwas eintönig wird… Durch all diese Einflüsse wird der Mainstream-Charakter, den das Spiel verfolgt, offensichtlich. Man versucht einfach zu sehr jeden Geschmack zu treffen und trifft deswegen keinen Geschmack so richtig – den der Kenner schon gar nicht. Schade eigentlich.
Waffenupgrade der anderen Art!
Gefangen in Schläuchen…
Schade ist, dass die Bewegungsfreiheit eher nur vorgetäuscht ist. Das muss nicht wirklich schlimm sein, wenn man es wie in „S.T.A.L.K.E.R.“ gut vertuschen kann. Doch ist es hier eher sehr auffällig, dass der Dschungel in langen, aneinandergereihten „Schläuchen“, die immer wieder mal von etwas weiteren Arealen unterbrochen werden, angelegt wurde. Nicht dass ich falsch verstanden werde, das stört nicht wirklich, wird aber dem Ansinnen eines frei begehbaren Waldes nicht gerecht.
Der Waldmond Pandora (jetzt hätte ich doch fast Endor geschrieben) ist sehr lebensfeindlich, weswegen ich es auch verstehe und sogar gut finde, dass es immer neuen Nachschub an Gegnern gibt, und nie wirklich Ruhe herrscht. Doch muss dieser Nachschub denn gerade dann „erscheinen“, wenn ich daneben stehe? So kommt es (leider) nicht selten vor, dass Ihr in eine Sackgasse rennt, sie von Getier säubert, euch umdreht und auf einmal von aus dem Nichts gepoppten Widersachern was auf den Hinterkopf bekommt.
Intelligenz?
Gerade weil die Entwickler bei der grafischen Ausmalung gezeigt haben, was sie technisch auf dem Kasten haben, ist es für mich unverständlich wie DAS durch die Qualitätskontrolle kommen konnte. Das Tiere wie blöd durch die Gegend rennen, kann ich ja noch verstehen; aber warum der Kollege Marine dumm rumsteht, während sein direkt daneben stehender Kamerad einen Kopfschuss kassiert, will mir einfach in der heutigen Zeit nicht mehr in den Selbigen. Und das zieht sich leider durch den gesamten Verlauf des Aufenthaltes auf Pandora. Gegner schauen Euch blöd an, wenn Ihr auf sie schießt, und im nächsten Moment bekommt Ihr aus unmöglichen Positionen selber ein paar Löcher in den Pelz verpasst. Das muss und kann besser gehen.
Lauschangriff...
Hast du Töne?
Bei der Musik kann ich endlich ohne Nennung irgendwelcher Harken in die Tasten hauen. Sie passt einfach perfekt in das Setting. Mal geheimnisvoll, mal die Technik betonend, dann wieder den Na’vi zugewandt, untermalt sie einfach immer genau das richtige Gefühl. Ebenfalls wirken die Geräusche des Urwaldes wunderbar fremdartig, wobei sie doch nicht zu unglaubwürdig klingen. Hier wurde sich wieder richtig viel Mühe gegeben, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass ein Großteil der Musiken und Sounds aus dem Film zu stammen scheinen.
Was die Synchronisation angeht, hat man es nicht ganz geschafft, das Level zu halten. Zwar wird zum Beispiel Sigourney Weaver von Ihrer originalen Kinostimme vertont und das auch so, wie man es von einer professionellen Sprecherin erwarten kann. Die anderen Charaktere scheinen aber mal mehr, mal weniger Glück gehabt zu haben. So kommt es vor, dass in dem einen Moment gut betont gesprochen wird und im nächsten, dieselbe Stimme, wie von einem Leihen eingesprochen klingt. Es scheint gerade so, als hätte man bei den Aufnahmen mal einen guten und mal einen weniger guten Tag der Schauspieler erwischt…
Hilfe von oben!
Schlachten im Netz
Auch hier glänzt das Spiel wieder mit guter aber eben nicht überragender Unterhaltung. Die als mittlerweile Standard geltenden Modi Team-Deathmatch, Capture-the-Flag, Capture-and-Hold und King-of-the-Hill sind natürlich mit dabei, aber auch ein neu anmutender Modus namens Endkampf darf gespielt werden. Die ersten vier bedürfen wohl eher keiner näheren Erläuterung, doch zu Endkampf ein paar erklärende Worte: Im Prinzip kennt man das auch schon. Als Mensch müsst Ihr Raketen bewachen und als Na’vi diese zerstören. Das Prinzip hat in „Counterstrike“ gut funktioniert und ist auch hier unterhaltsam, vorausgesetzt man findet genügend Mitspieler, von denen es übrigens maximal 16 in einer Schlacht auf den 10 verschiedenen Karten geben kann.
Mir ist bei den Onlineschlachten aufgefallen, dass man auf Seiten der Na’vi etwas im Nachteil zu sein scheint, und das liegt nicht nur daran, dass das Waldvolk keine große Auswahl an Fernwaffen hat. Denn im Onlinedschungel werden auf einmal die Rollen getauscht. Als Mensch kann man sich dank grüner Uniform und geringer Körpergröße herrlich verstecken, während die blauen und großen Na’vi „Hier bin ich!“ zu rufen scheinen und deswegen ihren Vorteil im Nahkampf nur selten ausspielen können.
Fazit:
„James Camerons Avatar: Das Spiel“ ist in jedem Fall etwas für zukünftige Fans des Filmes, schon allein wegen der Datenbank und der damit verbundenen Hintergrundinformationen bleibt hier keine Frage offen! Doch wer ein umfangreiches Sci-Fi-Rollenspiel sucht, wird hier leider nicht fündig. Zu herzlos sind die Details, die ein richtiges RPG ausmachen, geradezu dahin geworfen worden. Wenn man nur die Grafik und das Leben des Urwaldes bewerten wollte, wäre hier eine Wertung oberhalb der 85% sehr wahrscheinlich. Avatar hat eine Menge guter Ideen, die wenn man sich mehr Zeit gelassen hätte, wahrscheinlich auch hätten umgesetzt werden können. Da aber der Großteil dieser Inhalte eben nur in der Idee aber nicht in der Ausführung gelungen ist, ist hier ein eher im oberen Mittelfeld angesiedelter Spaß für Fans und Spieler, die eine solide Unterhaltung suchen, entstanden.
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ältere Beiträge:





Mit großer Freude gekauft, mit viel Enttäuschung verkauft! Wieso sind Filmumsetzungen immer wieder nur naja bis schlecht?
Klingt nach einem Assassins Creed 1 Problem, zu wenig Abwechslung?
Mhhh, ich werde es trotzdem mal testen müssen. Ich mag das Setting!
Filmumsetzungen scheinen alle diese Krankheit zu haben.
Zu spät! Ich bekomem es nun zu Weihnachten. Hoffe es ist nich ganz so mies
Der Test klingt nich so überzeugend, leider