Samstag, 11. Februar 2012

Heavy Rain im Test

Februar 24, 2010 von Marty  
16:46 veröffentlicht unter Neuigkeiten, Playstation 3, Playstation 3, Spieletest

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus.
Im Falle von Heavy Rain war die Schattenbildung gehörig; es durfte also etwas sehr großes erwartet werden. Schauen wir, ob es auch tatsächlich dazu kam.

Wer im Vorfeld den zahlreichen Berichten, Screens und Trailern Beachtung schenkte, evtl. an der “Vier Tage – Die Heavy Rain Online Erfahrung” teilgenommen oder sich der Demo gewidmet hatte; all jene konnten sich bereits ein Bild verschaffen, welches zu beeindrucken wusste, welches aber auch deutlich machte, dass Heavy Rain keinen klassischen Videospielcharakter aufweisen würde.
Wem in diesem Zusammenhang auch noch die Titel Fahrenheit in Bezug auf Storytelling  und Dragon’s Lair seinerseits, was die Steuerung betrifft, ein Begriff sind, der wird sich in etwa auch den neuen Quantic Dream Titel im Geiste zeichnen können. Doch möge das Spiel selbst die Gelegenheit bekommen, wirken zu können, wie es eben ist. Denn Heavy Rain, so viel vorweg, ist ein Titel, den man vorbehaltlos empfehlen sollte.

“Wie weit würdest Du gehen, um jemanden zu retten, den Du liebst?”

Die zentrale Frage; und tatsächlich stellt sie sich euch im Verlaufe der Geschichte mehr als nur einmal. An dieser Stelle lasse ich die eigentliche Story mal beiseite und bitte euch, mir einfach zu vertrauen. Es hilft euch dabei, die uneingeschränkte Spannung zu erhalten, die diesen Titel so wertvoll macht. Infos zum Inhalt des Spiels findet ihr, auch ohne mich, an jeder Ecke.

Würde man das Produkt nackt machen und von der Story separieren, erhielte man ein ernüchterndes Ergebnis. Im Grunde könnte man dann sagen, dass Heavy Rain eigentlich nur ein langweiliges Knöpfedrücken, Quick-Time-Events-meistern und hier und da mal die Spielfiguren von A nach B bewegen, ist. Dazu kommt ein etwas zurückhaltender Beginn, der rückbetrachtet aber völlig verständlich ist. Wenn man sich der Handlung nicht hingibt, liegt man sicher richtig. Diese packt aber plötzlich rückhaltlos zu und dürfte wohl fast jeden mitreißen. Und so entwickelt sich da etwas, was man nur schwer vergleichen kann. Großes Kino zum Anfassen und Mitmachen. Eigentlich ein Film, dessen Ausgang ihr mit Beeinflussung des Verlaufs zwar bestimmen aber keinesfalls planen könnt.

Was hier inhaltlich geschaffen wurde, weiß gehörig zu beeindrucken und sucht überdies im “Videospielsektor” seinesgleichen. Ihr schlüpft nicht nur oberflächlich in die Rollen der vier Hauptdarsteller, sondern dringt in deren Gedankenwelt, in deren Befindlichkeiten ein und trefft deren Entscheidungen, als wären es eure. Derart von den Gegebenheiten befangen, fühlt man sich abwechselnd zwischen Betrachter und Akteur hin- und hergerissen. Und mit der Möglichkeit, die Charaktere in Szene setzen zu können, wächst auch der Eindruck, man hätte zusätzlich die Verantwortung übertragen bekommen, die Spielfiguren perfekt durch die Landschaft zu geleiten, damit das Ganze auch wirklich filmreif wirkt.

Um den sprichwörtlichen “Flow” zu gewährleisten, gibt es weder ein “Game Over” noch müsst ihr nach einer gescheiterten Aktion etwa eine Szene wiederholen. Alles, was ihr tut, beeinflusst den Verlauf des Spiels, und wenn ihr meint, es war falsch, wie ihr euch entschieden habt, dann müsst ihr damit leben. Es geht stetig vorwärts und gibt kein Zurück. Und das ist auch gut so, denn es gibt keine Zeit zu verlieren; ihr werdet sehen. Und ihr tut gut daran, euch beim ersten Durchlauf auf euer Gefühl zu verlassen. Versetzt euch in die Charaktere und entscheidet, wie ihr es für richtig haltet; sie sind nur das Abbild euer selbst. Scheut euch nicht vor Extremen bzw. davor, zurückzuziehen, wenn ihr es für richtig haltet; ihr habt die Wahl.

Auch wenn die unterschiedlichen Kreuzwege oft nur minimale Abweichungen bewirken, summieren diese sich zu völlig unterschiedlichen Enden. Einmal bewältigt,  könnt ihr abseits eurer Hauptlinie kapitelweise alternative Vorgehensweisen ausprobieren. Einzig die Möglichkeit, bekannte Dialoge zu überspringen, bleibt euch das Spiel an dieser Stelle schuldig.

Die vier Charaktere, die ihr während der Jagd nach dem Origami Killer in unregelmäßigen Abständen steuert, sind hervorragend ausgearbeitet und allesamt von großer Tragweite. Deren Schicksale überzeugen glaubwürdig und wissen zu beeindrucken. Auch wenn grafisch, animatorisch und tontechnisch nicht immer alles auf gleich hoher Ebene spielt, legt Heavy Rain meines Erachtens in der Summe einen neuen Maßstab vor. Wer sich die Zeit nimmt und bei einem weiteren Durchlauf mal die Verhaltensweisen der Randgestalten genau betrachtet, der wird feststellen, dass auch diese mit großem Engagement in Szene gesetzt wurden. Diese verhalten sich sehr authentisch; umso ärgerlicher, dass man mit ihnen nicht interagieren kann.

Heavy Rain ist eine große Erfahrung und mit Sicherheit auch ein Pfeiler im Konstrukt der Videospielhistorie.
Auch wenn nicht alles reibungslos verläuft, muss man den Machern zu einer außergewöhnlichen Leistung gratulieren und gleichzeitig danken. Denn hinsichtlich der ausgefuchsten Story in Verbindung mit der allumfassend filmreifen Präsentation wird deutlich, wie wertvoll professionelle Arbeit ist. Basierend auf dem relativ einfachen Steuerungsprinzip ist es gelungen, eine Geschichte zu installieren, die mich uneingeschränkt vereinnahmte und zu keinem Zeitpunkt langweilte. Zwischen besinnlichen Momenten und atemberaubenden Action Quick Time Events vom Feinsten wird alles geboten. Nur wer auf große Sprengungen und Kugelhagel steht, wird leer ausgehen. Alle anderen, da bin ich mir sicher, werden von einem Erlebnis der besonderen Art sprechen.
Heavy Rain spielt man nicht zwischen Frühstück und Gänsebraten, sondern mit voller Konzentration und Aufmerksamkeit. Dann nimmt es dich mit auf eine Reise, die du nicht vergessen wirst. Es verlangt dir Entscheidungen ab, die über Leben und Tod richten. Und vor allem verschwimmt der Eindruck, dass du diese am Ende doch nur per Knopfdruck fällst. Ein Spitzentitel; exklusiv für PS3. Love – let it rain!!!

Vom Regen in die Traufe; bleibt noch, auf die Unannehmlichkeiten hinzuweisen. Wer will, kann hier Schluss machen; inhaltliche Verweise müssen ab jetzt sein! Überdies ändern diese Dinge nichts am hervorragenden Gesamteindruck.

Obwohl die Steuerung recht einprägsam ist, erschließt sich mir nicht, warum man zum Bewegen der Spielfiguren neben dem richtungsweisenden linken Analogstick bedingungslos R2 gedrückt halten muss. Außerdem gestaltet sich das Manövrieren stellenweise hakelig und träge.
Hinzu kommen soundtechnische Schwächen. Da wäre der Fernseher, der einmal ausgeschaltet, trotzdem weiter munter den Ton der laufenden Sendung liefert. Oder Dialoge, die plötzlich abgeschnitten enden.

Da wäre die Kaufhausszene, in der ihr euren Sohn aus den Augen verliert. Dieser hat glücklicherweise einen roten Ballon, der die Suche etwas vereinfacht.  Nun ist es dramaturgisch so gedacht, dass ihr den Ballon über der Menschenmenge ausmacht und diesem folgt. Einmal eingeholt, müsst ihr feststellen, dass es sich um einen anderen Jungen handelt. So weit, so gut.
Ich bin aber, wie auch immer, meinem Sohn gefolgt (scheinbar irgendwo falsch abgebogen). Dieser ist aber nicht mehr ansprechbar und wandelt wie in Trance samt Ballon letztendlich durch die Mauer des Kaufhauses, um sich auf die nächste Szene vorzubereiten. Nun muss ich aber noch das fremde Kind aufsuchen, damit es weitergeht. Das ist bitter.
Jedenfalls stellte ich dort einen erheblichen Fehler fest, der die Szene in ihrer Spannung komplett entstellte. Dieses Problem taucht nicht zwangsläufig auf, ist aber ein dicker Bug.
Und da gibt es einen wegweisenden Autounfall. Dieser verläuft derart hanebüchen, dass man der Fahrerin des Unfallwagens eigentlich Vorsätzlichkeit vorwerfen müsste, obwohl es wie aus heiterem Himmel wirken soll.
Shit happens, auch in den besten Familien.

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  5. SCEE bestätigt Heavy Rain Demo für 11. Februar

Kommentare zu diesem Thema

6 Responses to “Heavy Rain im Test”
  1. MacLovin19 sagt:

    Schweinerei! Ihr durftet schon ran während ich hier halb sterbe vor Neugierde auf das Game. Das muss der Hamma werden. Feiner Test.

  2. FreeZZa sagt:

    Schöner Test!
    @Vidkid’s und McLovin: Schreibt doch mal eure PSN-ID’s rein, dann kann ich euch adden ^^

  3. theLiam sagt:

    Sehr Geil das Game! Das kann nur Geil werden. Ich bin sowas von hibbelig :)

  4. SideShowMob sagt:

    Her damit wenn ihr es durch habt, ich bin dran ;)

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  1. [...] Jedenfalls Platz 1 in den UK-Charts und die Sicherheit das es Nachschub gibt. Klingt irgendwie nach Erfolg. Heavy Rain durchlief auch unser Testlabor. [...]

  2. [...] noch einmal sein Wissen über dieses feine Game erneuern möchte, dem sei unser Test ans Herz [...]



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