Samstag, 19. Mai 2012

Dark Void im Test, leicht verspätet!

Februar 26, 2010 von Marty  
17:10 veröffentlicht unter Neuigkeiten, Spieletest, Xbox 360, Xbox 360


Dass das Bermudadreieck vor allem in der Vergangenheit für allerlei Wirbel sorgte, dürfte eigentlich jedem bekannt sein. Zahlreiche Romane und Verfilmungen nahmen sich die Gegend teils direkt, teils indirekt als Grundlage, so auch Dark Void. Zeitpunkt: 1938.

William “Will” Augustus Grey stürzt als Pilot während eines Transportflugs mit seiner Maschine über dem Dreieck ab und findet sich samt seiner Ex, Ava, in einer Parallelwelt namens “Void” wieder. Dort angekommen, wird den beiden schnell klar, dass hier etwas nicht stimmt. Zwar treffen sie auch auf Mitmenschen, den sogenannten Überlebenden, aber in erster Linie sind es die Beobachter, die den unfreiwilligen Neulingen Sorgen bereiten. Diese uralte außerirdische Rasse nämlich wurde ins Void verbannt und ist daran die verbliebenen Überlebenden menschlicher Abstammung zu versklaven, um endgültig die Weltherrschaft zu erobern. Mit überlegener Technologie ausgestattet, scheint deren Plan aufzugehen. Doch Will möchte weg und schließt sich somit notgedrungen dem Widerstandskampf der Unterdrückten an, hoffend, auf diesem Weg eine Flucht aus der Void für Ava und sich zu ermöglichen. Gott sei Dank ist auch Nikola Tesla, der berühmte Wissenschaftler und Bastler, in der Leere gefangen. Mit seinen Fähigkeiten ist es möglich, die Technologien der Alfs zu reproduzieren und eigene Mittel, bis hin zum Jet-Pack, zu konstruieren, um bei diesem Unterfangen überhaupt eine Chance zu haben. Und damit ist in groben Zügen die Geschichte eingeleitet. Nun hört sich das zunächst ganz interessant an und vor allem als ließe sich daraus gehörig was machen. Wir werden sehen.

The Void ist unserer Erde in vielen Belangen sehr ähnlich, teils eine traumhafte Gegend. Oft auch weitläufig und mit ordentlicher Weitsicht. Vor allem aus der Luft würde man klasse Fotos schießen können. Allerdings zu Fuß kann man nicht unbedingt von einem Erlebnis sprechen. Da wird zwar solide Grafik geboten, doch 2010 ist man längst einen höheren Standard gewöhnt, so dass die detailarmen Landschaften eher enttäuschen. Auch innerhalb der Alien-Architektur erweist sich die Gestaltung als karg und wiederholend. Sowohl die Mitstreiter als auch die gegnerischen Aliens sind über weite Strecken lieblos animiert, und selbst die Hauptcharaktere kommen von ihren Bewegungsabläufen eher Robotern nahe. Wenn es schon so losgeht …, werdet ihr sagen. Tatsächlich. Müsste man vor Beginn der eigentlichen Geschichte nicht eine Flugstunde absolvieren, würde man wahrscheinlich ernsthaft überlegen, ob man Dark Void nicht lieber erstmal beiseite legt und lieber macht, wozu man plötzlich viel mehr Lust bekommen hat. Als Shooter im herkömmlichen Sinne wäre das Spiel wohl eine große Enttäuschung.

Die Steuerung zu Fuß ist, abgesehen vom Deckungssystem, stimmig und schnell eingeprägt. Allerdings wird schnell klar, dass das Ziel sein muss, umgehend ein Jet-Pack zu bekommen, um endlich wieder abheben zu können. Während ihr stupide auf eigenwillig geistlose Aliens ballert, deren Widerstandskraft allerdings bemerkenswert hoch und schnell auch nervend ist, kommt eine interessante Komponente ins Spiel. Mit einem ersten Raketenrucksack ausgestattet, seid ihr plötzlich in der Lage, größere Luftsprünge zu machen, um die steilen Felswände zu erklimmen und erlebt im Falle der Besteigung ein berauschendes Gefühl. Aus “oben und unten” wird nun “vorn und hinten”, wodurch sich actionreiche Kämpfe in luftiger Höhe mit einer beeindruckenden Perspektive und dem “Vertical Cover System” ergeben. Leider wird dieses Feature im Spiel relativ selten geboten, obgleich es aus meiner Sicht eines der gelungenen darstellt.

Solltet ihr noch Lust verspüren, erwartet euch als nächstes endlich ein ausgefuchstes Jet-Pack made by Tesla. Mit diesem seid ihr fortan in der Lage, frei zu fliegen. Das sollte auch hinsichtlich der öden Fußarbeit so oft wie möglich die Prämisse sein. In weitläufigen Abschnitten ist es ein gehöriger Spaß, dahinzudüsen,  und mit zunehmendem Fortschritt wird auch euer Jet-Pack via Upgrades noch besser. Nichts ist schöner als fliegen. Außer in Räumlichkeiten ist dies ein bemerkenswertes Feature. Hier werden allerdings einige Schwächen im Bereich der Steuerung auffällig. Das Zielsystem kann ganz schön nerven, wenn es in luftiger Höhe ordentlich zur Sache geht und einiges der Luft-Akrobatik lässt sich nur schwierig mit der notwendigen Präzision durchführen. Beim Radar scheint es sich um einen Scherzartikel aus der Yps zu handeln, jedenfalls erfüllt er nicht das, was ich von ihm erwarte. Auch muss man recht vorsichtig sein, wenn man von der Schwebe- in die Flugphase übergeht. Da mangelt es ein wenig an Feinmechanik. Hoch oben könnt ihr nicht nur traditionelle Dog Fights austragen, sondern seid auch in der Lage, gegnerische Flugobjekte mittels Quicktime Event zu kapern. Nun ja, der Nutzen sei dahingestellt.

Die Story kommt merkwürdigerweise zunächst gar nicht recht rüber und geht später, ob der haarsträubenden Ungereimtheiten, immer wieder verloren. Hier und da sammelt man ein paar Tagebucheinträge ein, die euch Wissen über die Gesamtsituation vermitteln wollen. Alles wirkt reichlich zufällig und belanglos. Klar, ihr sollt die Welt retten, aber der Weg dahin scheint keine Überraschungen parat zu haben. Die Dialoge haben sensationellen B-Movie-Style, und die deutschen Untertitel verlaufen streckenweise mit der Umgebungsfarbe. Während eurer Reise können noch nicht mal die Gegner für Begeisterung sorgen. Horden scheinbar gehirnamputierter Aliens gilt es aus dem Weg zu räumen. Habt ihr euch einmal deren Bewegungsloop angesehen werdet ihr leicht mit ihnen fertig. Deren Überbleibsel werden zu sammelbaren Objekten, mit deren Hilfe ihr in Abständen eure halbherzigen Bodenwaffen weitestgehend unmerklich tunen könnt. Schade, dass man am Boden nicht die Durchschlagskraft der Bewaffnung des Jet-Packs zum Einsatz bringen kann. Einige Endgegner kommen vortrefflich daher. Diese besiegt ihr mittels einer Kombination aus Feuergefecht und Quicktime Event. Oder auch der eindrucksvolle Auftritt der Arche: Eure Aufgabe ist es, ihren Flug vor einer massiven Offensive zu schützen. Diese spärlich auftretenden Szenarien bringen die ersehnte Abwechslung nach teils langwierigen Passagen mit langweiligen erschieße-1Million-Aliens-Missionen.

So schnell wie Will ins Unglück stürzte, so schnell ist auch die Welt gerettet. Ich will nur sagen: Erschreckt nicht, wenn plötzlich alles vorüber ist und ihr euch dem Abspann gegenüber seht.

Der Soundtrack von Bear McCreary, der auch Battlestar Galactica mit Musik untermalte, ist wahrlich eine Freude. Da saß mal der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Reziproke Stimmen; obwohl man sich in alten Höhlen befindet, klingt die Unterhaltung der Charaktere wie im Studio. Da müssen die Produzenten der ???-Serie am Werk gewesen sein.

Fazit:
Obwohl Dark Void ein beträchtliches Potential zu Papier bringt, ist es leider nicht gelungen, dieses im Spiel ausreichend zu entfalten. Eine schlecht ausgearbeitete Story und miese Dialoge, durchschnittliche Shooter-Qualität und teils langweilige Level-Architektur, eine geringe KI und fehlende Abwechslung lassen den Titel unter allen Erwartungen zurück. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die positiven Aspekte anteilig viel zu kurz kommen. Wieso befindet man sich weitestgehend am Boden, obwohl gerade die Steilwände und die Jet-Pack-Sequenzen außerordentlich Spaß bereiten? Warum wimmelt es nur so von hirnlosen Aliens, aber nur spärlichen Großkalibern? Schade, schade. Dark Void ist ein durchschnittliches Spiel mit in-die-Ecke-legen-Charakter. Nehmen wir einen Schüler der 12°° Uhr Schluss hat: Der kann noch gemütlich Mittag essen, dann Dark Void in 8h durchspielen und noch vor Mitternacht zu Bett gehen. Am nächsten Tag das Spiel zum A+V gebracht und Gras über die Sache wachsen lassen. Man sollte das Bermudadreieck eben doch meiden – damals wie heute!

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Kommentare zu diesem Thema

2 Responses to “Dark Void im Test, leicht verspätet!”
  1. KoryAnder sagt:

    Dachte mir auch schon das das nicht der Bringer sein wird. Schade eigentlich.

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