Command & Conquer 4: Tiberian Twilight im Test
April 6, 2010 von Johannes
13:50 veröffentlicht unter Neuigkeiten, PC, PC, Spieletest

Die Vorfreude war groß. Wie würde wohl die Story enden, was ist aus den Scrin geworden und warum lebt Kane immer noch und arbeitet mit den GDI zusammen? Diesen und noch anderen Fragen, wie z.B. WARUM?! werden wir versuchen, auf den Grund zu gehen.
Das Gegenteil von Gut ist, gut gemeint!
Der liebgewonnene Basen-Bau hat das Zeitliche gesegnet und wurde durch ein sehr vereinfachtes Verfahren abgelöst. Ich bin der Letzte, der etwas gegen Innovationen hat, aber wenn man schon ein running system verändert, dann doch bitte auch zum Besseren. Was noch mit Freunden einen Riesenspaß macht, verkommt während der Solo-Kampagne – alleine gespielt – zum absoluten Stresstest und weiß mit Finesse zu frustrieren. Und so sieht’s aus: Zu Anfang muss sich der angehende Commander für eine Strategie entscheiden. Zur Auswahl stehen Offensiv, Defensiv und Unterstützung. Nach dieser Wahl richten sich dann nicht nur das Aussehen des MBF, sondern auch die Arten an Einheiten, die ihr bauen dürft. Der offensive Stratege legt Wert auf Panzer, der defensive legt seine Geschicke in die Hände fähiger Soldaten in Kampfanzügen und baut gerne Abwehrtürme in allerlei verschiedenen Variationen, während der Unterstützer den Großteil seiner Angriffe aus der Luft ausführt und mit besonderen Fähigkeiten, wie Schnellreparatur, Tarnfeld, Luftschlag oder Weitsicht, seinen Mannen wie Verbündeten unter die Arme greift. Wer mehr als das MBF und ein paar Defensivtürme nebst Bunker bauen möchte, muss sich in seiner Kreativität sehr eingeschränkt fühlen. Zwar könnt ihr noch ein paar Zusatzgebäude, wie Flackgeschütze und Vorposten, übernehmen, doch da es das schon in ähnlicher Form in den Vorgängern gab, kann man das nicht gerade als Ergänzung werten.
Interessant ist, dass ihr ab Stufe 2 auf eurem MBF eine Bordkanone bekommt und somit auch mit dem Riesen in Gefechte laufen bzw. fliegen könnt. Daraus können auch wieder sehr gute Strategien entstehen, denn eure Einheiten werden auch, während sich das MBF bewegt, weitergebaut.
So kann das vermeintlich einsame MBF auch schnell als Falle verwendet werden. Einfach bei drohendem Angriff auf der Karte platzieren und schon kommt – ohne Zeitverzögerung – eine neue und frische Armee aus den Toren marschiert. Hinzu kommt dann noch der Vorteil, dass in einem kleinen Radius um das MBF eure Armee automatisch repariert wird und Bomber schneller wieder ihre Munition generieren. Durch diese und noch weitere Möglichkeiten verlangt das Spiel zwar dem Zocker ein größeres Maß an strategischem Denken ab, doch schade ist nur, dass man, wenn alleine gespielt wird, eigentlich immer nur die richtige Wahl mit der offensiven Strategie getroffen hat. So macht es einem die defensive schon etwas schwerer und der Unterstützer … ist eben ein Unterstützer. Ihr könnt im Laufe der Mission immer wieder eure Strategie wechseln, indem ihr das alte MBF vernichtet und danach ein neues „heraufbeschwört“. Dabei bleiben zwar die „alten“ Einheiten und Verstärkungen bestehen, doch ist es genauso nervig, wie es sich hier anhört: Einheiten bauen, MBF vernichten, Abwehrtürme bauen, MBF vernichten, Flugunterstützung bauen, merken, dass die Einheitengrenze erreicht ist, und wenn dann ein paar Türme eingestürzt sind, beginnt der Spaß von vorne. Zusammen mit einem Freund oder Unbekannten aus den Weiten des WWW kann man sich wunderbar ergänzen und die fiesesten Strategien ausarbeiten; doch allein ist dieses System einfach nur eine Nullnummer.
Bauen bis der Ingenieur kommt
Die einzige Einschränkung bei der Erstellung eurer Armee ist die Einheiten- und Stromgrenze (begrenzt die Menge an Defensivtürmen). Tiberium ist nur noch als Upgrade-Hilfe und tragbare Bombe zu gebrauchen. Schade eigentlich, hat doch gerade der Kampf um die besten Tiberiumfelder strategisches Haushalten gefordert. Wenigstens ein Vorteil fällt mir zu dieser Neuerung ein: Ich muss mich nicht mehr mit seltendummen Sammlern herumärgern, die in der gegnerischen Basis ihren Dienst verrichten wollen. Um die eher mäßige Wegfindung der Untergebenen kommt man aber leider immer noch nicht herum
Warcraft III hat’s vorgemacht
Dass Rollenspielelemente in Strategiespielen gute Motivatoren sind, ist allseits bekannt, weswegen sie auch im neusten C&C nicht fehlen durften. Eure Panzer, Flugzeuge und Co. bekommen, wie schon in den Vorgängern, Erfahrungspunkte für jede vernichtete Einheit, was sich dann neben der Energieleiste in Form eines Abzeichens, stärkeren Waffen und höherer Energie zeigt. Auch könnt ihr wieder Kisten aufsammeln, mit deren Hilfe eure Leute sofort einen Rang höher eingestuft werden. Neu hingegen ist, dass es auch blaue Kisten gibt, in denen für das Kriegsgerät extra(schicke) Geschütze gelagert sind. Tiberium braucht ihr wie schon gesagt im vierten Teil der gleichnamigen Saga nicht mehr, um eine respektable Armee aufbauen zu können. Das wertvolle Mineral spielt aber dennoch eine mehr oder weniger wichtige Rolle. Denn um Upgrades, Fähigkeiten und neue Einheiten höherer Stufen freizuschalten, müsst ihr immer eine bestimmte Menge des edlen Minerals sammeln. Apropos Fähigkeiten, diese sind diesmal kampfentscheidend wichtig, denn fast jede Einheit hat noch eine Zweite, wodurch schon einmal ein relativ ungefährlicher Skorpionpanzer auch für größere Einheiten gefährlich werden kann. Denn mit seinen Zangen kann dieser einfach seine Gegner packen und sie dann ohne Gegenwehr in Ruhe bearbeiten.
Geschichtliches
So gut wie alle Fimsequenzen passen perfekt zu der Formulierung „gewollt und nicht gekonnt“. Überall kann man gute Ideen ausmachen, nur bei der Umsetzung müssen die Macher einfach keine Lust gehabt haben. Schon allein der Prolog strotzt nur so vor schauspielerischen Tiefflügen. Da werden an der einen Stelle übertrieben lange Pausen in Sätze gebaut und an der anderen rollen Soldaten in Nahaufnahme wahnsinnig gestellt mit den Augen. Das wäre alles vielleicht noch unfreiwillig komisch, wenn hier nicht ein Meilenstein der Echtzeitstrategie durch den Kakao gezogen würde. Einzig Kane kann wieder mit seiner unverwechselbaren Art punkten (obwohl auch er schon bessere Tage hatte). So, der Beruhigungstee ist getrunken, weiter im Text. Zur Geschichte kann ich nur so viel sagen: Es sind sogar Storywendungen eingebaut, und Kane verfolgt wie immer seine ganz eigene (außerirdische) Strategie. Wenn ich mir nicht vorgenommen hätte, in Tests nicht allzu viel über die Story eines Spiels zu schreiben, würden auch hier Peitschenhiebe schallen – erwartet bloß kein zufriedenstellendes Ende.
Sound und so
Ich muss mich schon wie ein alter Mann anhören, aber früher erhielten die Musiken bei C&C noch das Prädikat „Sehr gut“, heute hingegen bekommt man einen Standard Einheitsbrei vorgesetzt, der eben nur nicht schlecht klingt, gegen seine Vorgänger aber nichts zu melden hat. In der Nod-Kampagne kann sogar das hecktische Trällern der Sängerinnen(!) mit der Zeit etwas nervig sein – aber das ist nun wirklich Geschmackssache. Der Sound des Krieges kann sich hingegen hören lassen, einige Sprüche der Einheiten haben sogar Witz und die Schüsse und Explosionen klingen so wie es sich gehört.
Fazit
Ich spiele sehr gerne Strategiespiele und habe auch nichts gegen Herausforderungen, aber die Motivation sollte dabei nicht auf der Strecke bleiben. Innovationen sind immer gerne gesehen, doch gut durchdacht müssen sie dabei schon sein. Es kommt einem so vor, als hätten sich die Entwickler gesagt: „Hey, lasst uns mal ein richtig gutes Koop-Strategiespiel machen“, und kurz vor Fertigstellung ist ihnen aufgefallen, dass C&C vielleicht doch auch im Solopart Spaß machen sollte und eine Story auch nicht schlecht wäre. Wenigstens weiß die Grafik zu überzeugen, auch wenn sie gegenüber „Tiberium Wars“ nicht sehr viel zugelegt hat. Wer von der Story nicht viel erwartet und eher vorhatte, das Game mit einem Freund durchzuzocken, könnte hier richtig sein; Solo-Veteranen können hingegen getrost einen Bogen um das Spiel machen – Westwood würde sich dafür im Grabe drehen.

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Ich war etwas enttäuscht. Die Jungs müssen sich langsam mal was NEUES einfallen lassen. Ich geb 65 %
Schade Johannes ich dachte nicht das dein Urteil so heftig ausfallen würde. Hatte mich drauf gefreut aber nun werd ichs mir wohl doch nicht kaufen.
Ohh ja, dabei hatte ich mich auch so darauf gefreut