Call of Duty: Modern Warfare 2 im Test
Januar 13, 2010 von Johannes
20:42 veröffentlicht unter PC, Spieletest

Der Vorgänger setzte Maßstäbe und beschritt, was den Schauplatz des Geschehens anging, neue Wege. Die große Frage ist, ob der ganze Hype, der um dieses Spiel gemacht wird, wirklich zu recht so groß ist; oder sollte man eher den Marketingleuten von Activision Blizzard ehrerbietungsvoll die Hände schütteln? Wir werden sehen… Hier mein Frontbericht.
Die Liebe zum Land
Es wird wohl daran liegen, dass wir Deutsche es mit dem Patriotismus nicht ganz so genau nehmen. Aber mal ehrlich: Zu Anfang muss man sich wirklich erst einmal an den ganzen Pathos, mit dem die Herrlichkeit des Sterbens und des Kämpfens für sein Land beschrieben wird, gewöhnen. Jedes Mal wenn man stirbt (und das passiert oft), bekommt man ein „aufbauendes“ Zitat à la: „Ich bin nur traurig, dass ich meinem Land nur ein Leben schenken kann“ von einer Person der (realen) Geschichte zu lesen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Spiel in den Staaten einen besseren Job als Amerikas Armee macht. Doch hat man sich an all diese für „uns“ ungewohnten Herzlichkeiten gewöhnt, macht es auch irgendwie Spaß, sich die ganzen Verherrlichungen anzuhören – ist ja nur ein Spiel.

Action ohne Ende!
Das Vorgehen
Man setzt sich in alter Gewohnheit und der Abwechslung zum Dank von Mission zu Mission die Helme von drei Soldaten und einem Undercover-Agenten auf; wobei der „Agent“ das zweifelhafte Vergnügen hat, die wohl am meisten diskutierte Mission der Serie zu absolvieren. Da schon zu viele ihren Senf zu diesem Einsatz auf dem Moskauer Flughafen gegeben haben, möchte ich nur kurz ein paar Worte dazu verlieren. Spieler mit moralischen Bedenken können die Mission überspringen, müssen es aber nicht, wenn es ihnen um die Zivilisten geht. Denn das Unglaubwürdige in der deutschen Fassung ist, dass man nicht auf die Zivilisten schießen darf, weil sonst die Mission abgebrochen wird. Aber müssten die Terroristen nicht stutzig werden, weil man nur zuschaut und selber nicht am Abzug zieht? Und später im Verlauf der Mission darf man sehr wohl auf die anrückenden Soldaten und Polizisten schießen. Hier muss man zu Recht behaupten, dass die Zensur eher einen neuen unmoralischen Aspekt schafft, denn die anrückenden Einsatzkräfte wollen doch eigentlich auch nur ein paar Massenmörder an ihrem Werk hindern. Ansonsten wurde aber an der Erzählweise und der Story (zum Glück) nicht herumgeschnitten. Die Flughafen-Mission ist übrigens auch der Grund für das eigentliche Kriegsgeschehen in diesem Teil. Denn die Russen haben gemerkt, dass ein Amerikaner an dem Terrorakt (mehr oder weniger) beteiligt war und sinnen nun nach Rache. Nun gilt es das eigene Land zu verteidigen und die wahren Strippenzieher des Attentats zu finden, um vielleicht doch noch eine gute Wendung herbeizuführen.

äußerst dichte Atmosphäre
Das Gefecht eingefangen
Es ist wirklich keine Untertreibung, wenn ich hier schwärmerisch von einem Actionfilm erster Güte, in dem man selber die Hauptrolle übernimmt, spreche. Niemals werdet Ihr es erleben, dass Ihr denkt, dass ein Level doch mal zu Ende gehen könnte oder sich Langeweile ob des Settings auftut. Infinity Ward schafft es einfach bravourös immer wieder aufs Neue, dass der Spieler mitfiebert und denkt: „Jetzt wird man wohl gleich den story-technisch vorgesehenen Tod sterben“, nur um im nächsten Moment doch noch eine fulminante Rettung mitzuerleben. Selbst das eigentlich stupide Erklimmen einer Eiswand ist sehr stimmungsvoll inszeniert.
Weiter ist es ein atmosphärischer Spaß, wenn meine KI-Kollegen mir zurufen, dass der Feind sich hinter diesem oder jenem Gegenstand versteckt oder sie sich zum Nachladen zurückziehen. Die Kommentare und kleineren Unterhaltungen der Kollegen sind gut bis sehr gut eingestreut und sorgen so noch weiter für eine Abrundung einer jeden Mission. Sie schaffen es sogar, dass ich mich manchmal wie in einem Online-Shooter fühle. Kurz gesagt, denn sonst komme ich aus dem Schwärmen nicht mehr raus: Die Atmosphäre könnte nicht besser in Szene gesetzt sein.
Die Musik trifft auch immer genau den richtigen Nerv, doch will sie dabei nicht wirklich in den Vordergrund geraten und kommt einem immer auch irgendwie bekannt vor. Hier hat sich der große Hans Zimmer etwas zu sehr vom Typischen inspirieren lassen. Aber wie schon gesagt, passen tut sie wunderbar.

ein optischer Leckerbissen
Ist die Uniform auch schön gebügelt?
Auch grafisch weiß das Spiel zu überzeugen, nur hat sich hier nicht wirklich viel gegenüber dem Vorgänger getan. Die Charaktere, ihre Gesichter und vor allem das Motion capturing, sind wunderbar gestaltet, und ich nehme ihnen sofort ihren grimmigen Blick ab. Auch die Levels zeigen einem den bis dato besten Eindruck eines realen Schlachtfeldes, der mir das Gefühl gibt, dass ich den Rauch fast riechen könnte. Nur hier und da gibt es noch etwas auszusetzen. So sehen zum Beispiel manche Hintergründe einfach für heutige Verhältnisse etwas zu altbacken aus. Natürlich gibt es noch besser aussehende Titel, doch sehr viele schlechtere, und da, wo die Grafik ihre Schwächen hat, lässt einem die sehr gute Atmosphäre sowieso keine Zeit zum mäkeln.
Gemeinsam gegen alle
Der Multiplayermodus ist, mal von den Beschneidungen in Form nicht vorhandener Lan- und Dedicated-Server-Unterstützung abgesehen, wie gewohnt spitze. Und wie Ihr ja in letzter Zeit lesen konntet, üben sich Infinity Ward auch langsam in Einsicht und geben wenigstens den Moddern wieder etwas mehr Unterstützung. Doch zurück zum Geschehen. Das Killstreak-System wurde noch einmal überarbeitet. So gibt es diesmal nach dem dritten, fünften und siebenten Kill in Folge nicht nur wie in den Vorgängern (World at War und Modern Warfare 1) Unterstützung durch eine Aufklärungsdrohne, einen Luftangriff, Helikopter oder Hunde, sondern ganze 15 Varianten der Unterstützung. Natürlich kann man auch wieder für seinen Recken besondere Fähigkeiten verdienen und allerlei andere motivierende Dreingaben genießen. Das Aufleveln des eigenen Charakters tut da sein Übriges für eine gute Langzeitmotivation. Kurz und knapp lässt sich zum Mehrspielerpart sagen, dass schon allein dieser den Kauf des Spieles rechtfertigt und für viele schlaflose Nächte bei mir und meinen Kollegen gesorgt hat.
Fazit
Es gibt nicht mehr ganz so viele Innovationen wie beim Vorgänger, dafür werden aber die schon gemachten perfekt eingesetzt und sorgen für eine der überzeugendsten Kriegssimulationen, die ich je gespielt habe – und ich hatte sie (fast) alle. Es bleibt mir nur noch zu sagen, dass man nicht nur den Leuten des Marketing auf die Schultern klopfen darf, sondern vor allem den Entwicklern dieser Perle unter den Shootern. Natürlich hat auch dieses Spiel seine Macken, doch sind diese zu gering, als dass sie wirklich ins Gewicht fallen könnten. Und dass man den Titel schon nach maximal sieben Stunden durchhat, kann man nicht wirklich einen Fehler nennen, aber dafür schade. Wer diesen Titel nicht sein Eigen nennt, der verpasst Unterhaltung allererster Güte! Umfang und Soundtrack lassen uns jedoch über die 90 nicht hinaus!








Im Grunde war ich nicht gerade monströs beeindruckt von MW2. ZWar bietet es Filmreife Action und kann auch sonst überzeugen, aber gerade bei der Grafik im Bereich der Landschaft (Schneelevels) wäre mehr drin gewesen! Im Multiplayer sieht man es dann in den Schneelevels gnz besonders. Eckige Felsen und lieblose Bäume. Ganz MIES!!! Dann ist das Spiel viel zu kurz. Multiplayer wird inzwischen auch Arschlangweilig. Hoffe es gibt bald neuen Input dazu. Guter Test! Ich hätte 85 gegeben!
Bestes Spiel 2009 und bestes Kriegsspiel überhaupt. Ich fand es noch besser als MW1. Aber Geschmäcker sind verschieden.