Alan Wake – gegen Dunkelheit hilft nur Licht
Juni 26, 2010 von Marty
12:29 veröffentlicht unter Neuigkeiten, Spieletest, Xbox 360, Xbox 360

Schwarz ist das Dunkel, und das Dunkel ist böse. Zeit, Licht ins Dunkel zu bringen!
Wenn man Schriftsteller ist, ist Inspiration der erste Schritt zum geschriebenen Wort. Will die Inspiration partout nicht zum Schriftsteller, dann kommt der Schriftsteller eben zur Inspiration.
So gesehen, ist Alan Wakes Ausflug nach Bright Falls nicht nur der Entspannung nach einer anstrengenden Tour zu seinem aktuellen Bestseller, sondern auch als mögliche Quelle für ein neues Buch gewidmet. Gemeinsam mit seiner Frau Alice freut er sich auf die Ferien abseits von New York City im beschaulichen, kleinen Städtchen des Bundesstaats Washington. Dass dieses friedliche Fleckchen Erde etwas Bösem anheimgefallen ist, kann bei der Überfahrt mit der Fähre noch keiner erahnen.
Als überaus erfolgreicher Schreiber findet man auch in entlegenen Ecken des Landes Aufsteller und reißerische Aufmacher des eigenen Produkts. Ganz zu schweigen von Menschen wie der jungen Rose, einer Verehrerin höchsten Maßes inklusive Sprachfindungsstörungen im Falle der direkten Konfrontation. Damit kann man leben. Wenn diese aber, von einer übernatürlichen Macht instrumentalisiert, plötzlich zur Bedrohung werden, dann sieht man die Sache etwas anders. Das Übel nimmt seinen Lauf, als Wake die Schlüssel für die Hütte von Barbara Jagger, einer komplett in schwarz gekleideten, alten Dame, entgegennimmt und damit dem personifizierten Bösen einen großen Gefallen tut. Mr. Stucky kann sich nur noch wundern, als er das Paar davonfahren sieht, ohne bei ihm den Schlüssel für die eigentliche, im Vorfeld angemietete Unterkunft abgeholt zu haben. Zu spät!
Am Cauldron Lake angekommen, beziehen Alan und Alice das kleine Holzhaus in der Mitte des Sees.
Nach einer kleinen Streitigkeit zwischen den beiden stiehlt sich Alan hinaus in die Nacht, wohl wissend, dass seine Frau aufgrund ihrer Angst vor der Dunkelheit nicht folgen wird. Jetzt schlägt das Unheil erstmals offensichtlich zu. Als er ihre Schreie vernimmt, stürzt er zurück ins Haus. Alice ertrinkt im See. Als Alan plötzlich in einem verunfallten Auto erwacht, wird ihm klar, dass eine Woche ihren Weg gegangen sein muss, ohne ihm auch nur ein Fünkchen Erinnerung zu hinterlassen. Von da an ist es eure Aufgabe, ganz klar, die Geheimnisse um Cauldron Lake zu ergründen, Alice zu finden und aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Denn Alan ist sich sicher: Sie lebt!
Die schwarze Bedrohung
Abgesehen von einigen herrlich friedlichen Abschnitten in der prallen Sonne des nordpazifischen Sommers seid ihr des Nachts unterwegs. Dann scheint das Böse übermächtig und tritt euch in vielerlei Gestalt gegenüber. Nicht, dass es euch von Sonnenuntergang bis Wiederaufgang terrorisiert, aber zumindest kann es hinter jeder Ecke oder Kiefer lauern.
Es ist in der Lage, die Menschen der Gegend gegen euch zu instrumentalisieren. So ist es kein Zufall, dass ihr immer wieder besessenen Waldarbeitern begegnet, die mit diversen, innungstypischen Werkzeugen versuchen werden, euch einen Kopf kürzer zu machen. Auch Raben sind als Mittel zum Zweck ein gefundenes Fressen. Diese stürzen sich in Schwärmen auf euch, wie es schon Hitchcock in seinem Meisterwerk „Die Vögel“ vorgesehen hatte. Ein anderes Mal manifestiert es sich in Gegenständen, die euch zu Leibe rücken oder euren Weg blockieren sollen. Wie durch Geisterhand schleudert es euch Fässer, Stahlträger, Busse oder Boote, ja sogar Eisenbahnwaggons um die Ohren. Oder ähnlich Stephen Kings „Christine“ jagen euch führerlose Fahrzeuge durch die Nacht. Am meisten versucht es aber, Alan zu bewegen, ein Manuskript zu verfassen, was eine noch unheilvollere Macht verleihen und damit eine grenzenlose Ausbreitung ermöglichen soll.
Jetzt könnt ihr euch vielleicht auch denken, was Alan in dieser besagten Woche unwillentlich tat.
Kurz: Das Böse hat Bright Falls im Griff und erweckt den Eindruck, mit allen Mitteln verhindern zu wollen, durchleuchtet zu werden.
Licht, ein gutes Stichwort
Das Einzige, was sich mit dem Dunkel nicht vereinbaren lässt, ist die Helligkeit des Lichts. Deswegen wird Leuchtkraft zu eurem ultimativen Mittel, um der Bedrohung den Garaus zu machen. Wer einmal den dunklen Schattengestalten begegnet ist, wird ab sofort immer genügend Helligkeit mit sich führen. Diese wirkt auch gegen besessene Gegenstände und die wildgewordenen Vogelschwärme. Damit wird die Taschenlampe euer treuester Freund. Im Spiel gibt es sie in drei verschiedenen Ausführungen; vom Standard bis zum Hochleistungsscheinwerfer. Alle drei haben eines gemeinsam: Ihr Strahl lässt sich per Knopfdruck verstärken. Damit könnt ihr den Besessenen das Dunkel austreiben, denn erst dann sind sie mit konventionellen Waffen zu besiegen. Von diesen gibt es neben dem klassischen Revolver dreierlei Gewehre: Schrotflinte, Pumpgun sowie ein gutes Jagdgewehr. Um sich auch in aussichtslosen Situationen einen Lichtblick zu verschaffen, stehen Leuchtfackeln, Blendgranaten und Leuchtfeuer zur Verfügung. Das genannte Repertoire findet ihr nach und nach auf eurem Weg durch die Nacht. Umso ärgerlicher, wenn nach Beendigung eines Abschnittes plötzlich alle gesammelten Utensilien unerklärlich von dannen sind.
Darüber hinaus finden sich hier und da auch feste Installationen der Waldarbeiter, wie Bauscheinwerfer oder große Spots. Wer sich hinter einen Spot klemmt, kann diesen wie eine Gatling nutzen. Cool! Eure Taschenlampe bestückt ihr besser rechtzeitig mit frischen Batterien, und solltet ihr selbst einmal von Angriffen schwer gezeichnet sein, dann stellen gut beleuchtete Orte eine Möglichkeit der schnellen und vollständigen Regeneration dar.
Vom Cauldron Lake zum Lover’s Peak
Wer einmal die Natur des amerikanischen Nordwestens erlebt hat, der wird auf dem Weg durch die Wälder um Bright Falls den typischen Geruch in der Nase verspüren.
Ich muss sagen, grundsätzlich begeistert mich die dicht gestaltete Umgebung außerordentlich. Ob es Flora, Fauna oder die zahlreichen, von Menschenhand geschaffenen Installationen sind; alles ist mit enormer Liebe zum Detail ausgestaltet und derart reichhaltig in Bewegung. Fantastisch! Obwohl ursprünglich als „Open World“ angekündigt, folgt man der Story auf linearen Wegen, welche aber, ob ihrer großzügigen Ausladung, den Eindruck vermitteln, man könne endlos in die angrenzende Botanik eindringen. Und so soll es auch sein; denn da findet ihr neben Ausrüstungsgegenständen auch Manuskriptseiten, die zum besseren Verständnis der Ereignisse um Cauldron Lake hilfreich sind. Thermoskannen und Dosenpyramiden bieten Sammlern einen Anreiz, die Umgebung bis aufs Äußerste zu durchgrasen. Auch nicht immer auf direktem Weg befinden sich Holzhütten und andere Domizile, welche Radio- bzw. TV-Geräte beherbergen. Der Moderator des ansässigen Radiosenders (KBF) ist euch wohlgesonnen und führt mit einem doppeldeutigen Programm durch die Nacht. Das Fernsehprogramm liefert euch wiederum Hintergrundwissen oder aber zahlreiche Folgen von „Night Springs“. Ihr werdet sehen. Durch die geografisch bedingten Höhenunterschiede erreicht man während des Spiels immer wieder Punkte, deren Aussicht Landschaftsfotografen dahinschmelzen lassen. Umso ärgerlicher, dass ich keine Kamera im Inventar habe. Das spektakuläre Spiel von Licht und Schatten ist überragend und lässt mich rätseln, ob ich je eine bessere Inszenierung erlebt habe. Mond, Wind, Bodennebel und Schleusendunst, Bäume, die sich im Wind wiegen, die Tiere des Waldes sowie dichtes Unterholz sorgen in Kombination mit einer prächtigen Soundkulisse für eine absolut bombastische Atmosphäre. Solltet ihr im Besitz einer Surround-Anlage sein, kommt ihr voll auf eure Kosten. Abgesehen von einigen Rucklern, wie bspw. im Bücherladen von Bright Falls, wo scheinbar jedes Buch auch tatsächlich mit Inhalt gefüllt zu sein scheint, läuft alles flüssig trotz enormer Dichte.
Nanu?!
Auch wenn die originale, englischsprachige Fassung weit besser ist als die deutsche, kann diese dennoch, von Ausnahmen abgesehen, als machbar bezeichnet werden. Was allerdings die Lippensynchronisation betrifft, so muss man den Akteuren Dilettantismus vorwerfen. Selbst im Original gibt es im Bereich der Zwischensequenzen arge Disharmonien.
Und weil wir gerade bei den Sequenzen sind, hier wurde teilweise an guten Animationen gespart. Interessant auch, dass es immer nur eine ausgestaltete Version einer Zwischensequenz gibt. So kommt es vor, dass ihr beispielsweise eine andere Waffe in den Händen haltet als noch vorher im Spiel. In einem anderen Beispiel begeht ihr einen Raum durch eine andere Tür, als die von euch gewählte. Kleinigkeiten, die genannt werden müssen! Am insgesamt vortrefflichen Gesamteindruck können sie jedoch nur schwerlich rütteln.
Martys Fazit:
Obwohl jenseits einer HD-Präsentation, ist Alan Wake meiner Meinung eines der optisch, akustisch wie auch atmosphärisch beeindruckendsten Spiele der aktuellen Konsolen-Generation. Story und Umgebung bieten eine vortreffliche Gelegenheit, sich widerstandslos hineinsaugen zu lassen.
In sechs Episoden mit jeweiliger Zusammenfassung kommt Alan Wake dem Aufbau einer TV-Serie nahe und bietet mit einem fulminanten Soundtrack von Johnny Cash über Tom Waits bis hin zu David Bowie eine extrem hochwertige, musikalische Untermalung.Mit dem uneindeutigen Ende und kommenden Zusatzinhalten bleibt Alan Wake auch über das reguläre Maß eines Spiels in Bewegung, um Licht ins Dunkel zu bringen.

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Check out what others are saying about this post...[...] Episode zu kommen. Wer Alan Wake noch immer nicht sein eigen nennt, sollte sich schleunigst Martys Test zu Remedys Perle [...]
[...] Hier geht’s zu unserem Test und danach zu eurem Händler des Vertrauens, wir wollen einen zweiten Teil !! [...]
[...] Dass eine Fortsetzung des Psychothrillers wahrscheinlich ist, hatte man bei Remedy nicht nur einmal erwähnt. Und das, obwohl man in Sachen Verkaufszahlen keine großen Sprünge machte. Eigentlich unvorstellbar, denn aus meiner Sicht ist “Alan Wake” einer der besten Titel den man für die 360 bekommen kann ! [...]